Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

 

Dieser Satz aus dem 1. Thessalonicher 5,18 diente als Grundlage einiger Regalkilometer von Büchern mit der Thematik "Erfolgreich durch positives Denken", "Reich werden durch Nachdenken" und wie sie alle heißen.

 

Wir Christen richten uns nach dem Chef und nicht nach irgendwelchen gewinnorientierten Nachplapperern. In Bayern gibt es die Redensart "Da red' i net mit'm Schmiedl sondern mit'm Schmied!", wenn es um einen etwas größeren Geschäftsabschluss geht. In den ganzen Ratgebern steht nichts anderes als "Erkenne Deine Chancen in jeder Situation!"

 

Jeder kennt die Situationen, die im Alltag gewaltig an den Nerven zerren: Das Computer-Netzwerk lahmt dauernd und bremst die Arbeit aus, man kriegt deswegen Mecker vom Chef, weil die Ergebnisse noch nicht da sind, das Auto springt nicht an oder man hat den Zuganschluss verpasst, dann kommt man irgendwann nach Hause und stellt fest, dass ein Familienmitglied krank ist und die Waschmaschine ist auch kaputt. Es gibt solche Tage und wie soll man da noch dankbar sein?

An solchen Tagen muss man dankbar sein! Gerade dann! Auch wenn die Halsschlagader kurz vorm Platzen ist, sollte man doch einen Moment innehalten und ganz rational die Situation analysieren. Im obigen Beispiel tauchen fünf Probleme auf, von denen vier der Kategorie "First-World-Problems" zuzuordnen sind. Selbst das gravierendste Problem, nämlich die Erkrankung eines Familienmitgliedes" ist Dank unserer Infrastrukturen lösbar. Die Mehrheit der Weltbevölkerung hat bisher PCs, Autos, Züge, Waschmaschinen oder Krankenhäuser weder gesehen, angefasst oder benutzt.

Warum sollte man sich also wegen solcher Kleinigkeiten den Tag vermiesen lassen und die wertvollsten Güter schädigen, die wir haben: unsere Gesundheit und unsere Lebenszeit? Wer sich von Bagatellen stressen lässt, schadet seiner Gesundheit und wer sich über Kleinkram ärgert, verbringt schlechte Lebenszeit. Ärger ist völlig sinnlos, vernebelt das klare Denken und blockiert sinnvolles Handeln.

Dankbar sein heißt, in schwierigen Situationen wahrzunehmen, was an Gutem vorhanden ist und sich darüber zu freuen.Das ist der Unterschied zwischen "Normalbürgern" und Superhelden wie McGyver.

Situationsbeispiel: Der Normalbürger sitzt im finsteren Dschungelverlies und ärgert sich noch über den Müll am Boden. McGyver sitzt daneben und freut sich. Ui - ein Kaugummipapierchen! Und eine Büroklammer! Fantastisch! Und da ist noch ein Gummiring! Dann fängt er an zu basteln und holt alle aus dem Knast.

Wir können nur mit dem arbeiten, was wir haben und nicht mit dem, was wir gerne hätten. Wir leben nicht im Konjunktiv, sondern müssen die Situation, in der wir leben annehmen, auch wenn sie noch so übel ist. Erst nach der Annahme einer Situation kann man diese auch bewältigen.

 

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