Ich komme aus einem katholischen Elternhaus. Meine Mutter war evangelisch und musste damals in den 1950ern zum Katholizismus konvertieren. Das war ein riesiger Aufwand mit Katechismusschulungen und Papierkram; ein Führersch eine Fahrerlaubnis war da leichter zu bekommen.

 

 

Der damals gelebte Glaube entsprach mehr dem Pharisäertum. Differerenzen über Bibelauslegungen, Personenkult und regelrechte Grabenkämpfe in der damaligen Gemeinde bewgten mich dazu, mein Heil in anderen Glaubensrichtungen zu suchen. Mich beschäftigte die Frage: "Wie funktionieren Religionen?". So wurde ich zu einem Amateurexperten in vergleichender Religionswissenschaft inclusive deren dunkler Seiten in den Bereichen Magie, Esotherik und Okkultismus. Warnung: Das Zeug kann funktionieren, aber einem auch wie ein missglücktes Chemieexperiment um die Ohren fliegen.

 

Irgendwann 1986 stand in der Fußgängerzone das Teemobil einer jungen christlichen Organisation. Ich dachte, ich gehe mal da rein und erkläre denen, was das mit ihrer Religion so auf sich habe, dass das alles längst überholt sei und Gott sich rein wissenschaftlich gesehen ganz anders darstelle. Es stellte sich allerding heraus, dass ich ein ziemlich unvollständiges Gottesbild hatte. Kurz gesagt: Deren System war besser als meins. Soviel Objektivität war ich mir selbst schuldig. Ein guter Spieler erkennt, wann er verloren hat. Unter dem Strich habe ich allerdings gewonnen und das kann man an den Ergebnissen ablesen.

 

Mein Weg seit 1986 war nicht immer geradlinig, es gab viel Kummer und Stress, Krankheiten, Jobverluste, Pleiten, Pech und Pannen. Größtenteils war ich selbst daran schuld, weil ich zu kurzsichtig dachte und das Geld im Vordergrund hatte - möglichst viel davon und das möglichst schnell. Manchmal hatte ich drei Jobs parallel laufen: Tagsüber im Geschäft, Abends EDV-Kram und am Wochenende Tanzmusik machen. Immer schön Vollgas, Leistung 123%, Drehzahlmesser im roten Bereich.

Es ist einfach folgerichtig, dass es mich vor knapp zwei Jahren "voll aus der Kurve" getragen hat. Ich habe das Thema Burn-Out quasi erfunden, bevor das durch die Medien gereicht wurde.

 

In dieser "von oben verordneten Pause" habe ich meine Prioritäten neu geordnet, Jesus mal wirklich in die Mitte meines Lebens und den Mammon außen vor gelassen. Das war genau richtig. Mein Zufriedenheits-Index erreicht unbekannte Dimensionen, das Leben macht wieder Spaß, auch wenn ich früher wesentlich mehr Geld zur Verfügung hatte. Heute bin ich so sehr mit vielen schönen, kreativen und sinnvollen Dingen beschäftigt, dass ich eigentlich kaum noch Zeit habe, um Geld auszugeben.

 

Da ich nur empfehle, was ich selbst auch ausgiebig getestet habe, rate ich jedem, bei dem es im Leben nicht wirklich gut läuft, sich mal mit Jesus und seinem Evangelium zu befassen.

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